Abendstudium
Ein Studium oder eine künstlerische Ausbildung, die überwiegend neben Beruf oder Alltag stattfindet. An Kunsthochschulen der DDR konnte ein Abendstudium auch der künstlerischen Weiterbildung und der Vorbereitung auf ein reguläres Studium dienen.
Atelierwohnung
Ein Studium oder eine künstlerische Ausbildung, die überwiegend neben Beruf oder Alltag stattfindet. An Kunsthochschulen der DDR konnte ein Abendstudium auch der künstlerischen Weiterbildung und der Vorbereitung auf ein reguläres Studium dienen.
BAFöG
Abkürzung für Bundesausbildungsförderungsgesetz. Gemeint ist meist die staatliche finanzielle Unterstützung, die Schüler:innen und Studierende in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen für Ausbildung oder Studium erhalten können.
Care-Arbeit
Sorgearbeit: Tätigkeiten des Betreuens, Pflegens und Sich-Kümmerns, zum Beispiel Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder andere familiäre Verantwortung. Care-Arbeit ist häufig unbezahlt und beeinflusst, wie viel Zeit und finanzielle Sicherheit für künstlerische Arbeit zur Verfügung stehen.
DDR – Deutsche Demokratische Republik
Der sozialistische deutsche Staat, der von 1949 bis 1990 bestand. Die DDR war eine Einparteienherrschaft unter Führung der SED; politische, wirtschaftliche und kulturelle Institutionen waren eng mit staatlichen und parteipolitischen Strukturen verbunden.
Direktstudium
Bezeichnung für ein reguläres Studium in Vollzeit und mit unmittelbarer Präsenz an einer Hochschule. In den Biografien von UNCOVER steht der Begriff im Gegensatz etwa zum Abendstudium neben einer Berufstätigkeit.
Dresdner Sezession 89
Eine im Dezember 1989 gegründete Dresdner Künstlerinnenvereinigung. 23 Künstlerinnen, darunter auch Kunstwissenschaftlerinnen, schlossen sich in der Phase des gesellschaftlichen Umbruchs zusammen, um Austausch, gemeinsame Ausstellungen und die öffentliche Präsenz von Künstlerinnen zu stärken.
Druckgrafik
Sammelbegriff für künstlerische Verfahren, bei denen ein Motiv von einer bearbeiteten Druckform auf Papier oder einen anderen Träger übertragen wird. Dazu gehören unter anderem Hochdruck, Radierung, Lithografie und Siebdruck.
e. V. – eingetragener Verein
Ein Verein, der in das Vereinsregister eingetragen ist und dadurch eine eigene Rechtspersönlichkeit besitzt. Auf der UNCOVER-Website erscheint die Abkürzung unter anderem beim Trägerverein Women in Arts and Media e. V.
Fachklasse
Eine künstlerische Klasse innerhalb einer Kunsthochschule, meist unter Leitung einer Professorin oder eines Professors. Dort arbeiten Studierende über längere Zeit an einer eigenen künstlerischen Position und besprechen ihre Arbeiten gemeinsam mit Lehrenden und Mitstudierenden.
Finissage
Die Abschlussveranstaltung einer Ausstellung. Sie findet am Ende der Laufzeit statt und kann beispielsweise Führungen, Gespräche oder ein gemeinsames Ausklingen umfassen.
Freischaffend / freiberuflich
Künstler:innen arbeiten ohne feste Anstellung und organisieren Aufträge, Verkäufe, Ausstellungen und Einkommen selbst. In der DDR war für bildende Künstler:innen die Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler in der Regel eine zentrale Voraussetzung, um offiziell freischaffend tätig zu sein und Zugang zu Aufträgen und Ausstellungsmöglichkeiten zu erhalten.
Gebrauchsgrafik
Grafische Gestaltung mit einem konkreten Anwendungszweck, etwa Plakate, Buch- und Zeitschriftengestaltung, Werbung, Verpackungen oder Informationsmaterial. In der DDR war Gebrauchsgrafik ein eigenes professionelles Tätigkeitsfeld innerhalb der bildenden und angewandten Kunst.
Grundstudium
Die erste Phase eines Hochschulstudiums, in der grundlegende künstlerische, technische und theoretische Fähigkeiten vermittelt werden. An Kunsthochschulen folgt darauf häufig eine stärkere Spezialisierung in Klassen oder Fachgebieten.
HfBK – Hochschule für Bildende Künste Dresden
Kunsthochschule in Dresden mit einer langen Ausbildungstradition in Bildender Kunst. Mehrere Künstler:innen von UNCOVER haben dort studiert oder künstlerische Lehrangebote besucht.
HGB – Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Kunsthochschule in Leipzig, heute auch Academy of Fine Arts Leipzig. Sie ist ein wichtiger Ausbildungsort für Malerei, Grafik, Fotografie und weitere künstlerische Medien; Barbara Toch und Tobia König studierten dort.
Hochdruck
Druckverfahren, bei dem die erhöhten Teile einer Druckform Farbe aufnehmen und auf das Papier übertragen. Bekannte Hochdrucktechniken sind Holzschnitt und Linolschnitt.
Installation / Rauminstallation
Eine künstlerische Arbeit, die Objekte, Materialien, Bilder, Ton oder Video zu einer räumlichen Situation verbindet. Der Ausstellungsraum und die Bewegung der Besucher:innen können dabei Teil der Wahrnehmung des Werks werden.
Interieur
In der Kunst die Darstellung eines Innenraums. Interieurs können Wohn- oder Arbeitsräume zeigen, aber ebenso mit Licht, Leere, Architektur und der Vorstellung von Anwesenheit oder Abwesenheit arbeiten.
Kanon
Eine Auswahl von Werken, Künstler:innen und Positionen, die innerhalb einer Kultur oder Kunstgeschichte als besonders bedeutsam gilt und häufig ausgestellt, gesammelt, gelehrt oder publiziert wird. Ein Kanon entsteht durch historische Entscheidungen und kann sich verändern.
KI – Künstliche Intelligenz
Sammelbegriff für Computersysteme, die Aufgaben ausführen, für die sonst menschliche Wahrnehmung oder Entscheidungen nötig sind. In der Kunst können KI-Systeme beispielsweise Bilder auf Grundlage von Texteingaben erzeugen, die anschließend künstlerisch weiterbearbeitet werden.
Kunstbetrieb
Das Geflecht aus Kunsthochschulen, Museen, Galerien, Kunstvereinen, Förderinstitutionen, Sammler:innen, Medien, Märkten und Netzwerken, in dem Kunst produziert, gezeigt, bewertet, verkauft und vermittelt wird.
Künstlerische Position
Ein im Kunstbetrieb gebräuchlicher Begriff für das charakteristische Werk, die Haltung und die Arbeitsweise einer Künstlerin oder eines Künstlers. Er bezeichnet also mehr als eine einzelne Arbeit und kann Themen, Materialien, Methoden und ästhetische Entscheidungen umfassen.
Kunstmarkt
Der Bereich des Kunstbetriebs, in dem Kunstwerke gehandelt werden. Dazu gehören insbesondere Galerien, Kunstmessen, Auktionshäuser, Sammler:innen und weitere Vermittler:innen; Preise, Netzwerke und öffentliche Aufmerksamkeit können dabei eng zusammenwirken.
Kunstmarkt
Warum Anerkennung nicht nur mit Qualität, sondern auch mit Netzwerken, Geld, Galerien und Öffentlichkeit zu tun hat.
Kunstsystem / Kunstbetrieb der DDR
Das institutionelle Gefüge, in dem Bildende Kunst in der DDR ausgebildet, organisiert, gefördert, ausgestellt und zugleich politisch beeinflusst wurde. Dazu gehörten Kunsthochschulen, der Verband Bildender Künstler, staatliche Aufträge und Kunsthandel, Museen, Galerien und kulturpolitische Vorgaben. Die Bedingungen veränderten sich innerhalb der vier Jahrzehnte der DDR deutlich.
Kurator:in / kuratorisch
Kurator:innen entwickeln Ausstellungskonzepte, wählen Werke aus, setzen sie zueinander in Beziehung und ordnen sie in historische, gesellschaftliche oder künstlerische Zusammenhänge ein. „Kuratorisch“ bezeichnet Entscheidungen und Perspektiven, die aus dieser konzeptionellen Arbeit entstehen.
Lithografie
Flachdruckverfahren, das ursprünglich auf einer präparierten Steinplatte entwickelt wurde. Es nutzt die Abstoßung von Fett und Wasser: Die gezeichneten, fetthaltigen Partien nehmen Druckfarbe an, die übrigen Flächen nicht.
Meisterschüler:in / Meisterschülerstudium
Eine weiterführende künstlerische Qualifikation nach einem abgeschlossenen Kunststudium. Meisterschüler:innen vertiefen ihre eigene künstlerische Praxis in enger Betreuung durch eine Professorin oder einen Professor; Ausgestaltung und Dauer unterscheiden sich je nach Hochschule.
Nachwendezeit
Alltagssprachliche Bezeichnung für die Zeit nach dem politischen Umbruch von 1989/90. Häufig sind damit besonders die 1990er-Jahre in Ostdeutschland gemeint, der Begriff kann aber auch länger wirkende gesellschaftliche Erfahrungen und Folgen der Transformation einschließen.
Neue Sachlichkeit
Kunstrichtung vor allem der 1920er-Jahre in der Weimarer Republik. Sie wandte sich einer nüchternen, gegenständlichen Darstellung der sichtbaren Wirklichkeit zu und setzte sich damit unter anderem vom Expressionismus ab.
Ostdeutsch / ostdeutsche Herkunft
UNCOVER verwendet „ostdeutsch“ nicht als Bezeichnung für eine einheitliche Identität oder einen gemeinsamen Kunststil. Gemeint ist ein Erfahrungsraum, der je nach Generation von der DDR über den Umbruch von 1989/90 und die Transformations- und Nachwendezeit bis in die Gegenwart reicht und Biografien, Ressourcen, Netzwerke und Wahrnehmung unterschiedlich prägen kann.
Pleinair
Aus dem Französischen für „im Freien“. In der Kunst bezeichnet Pleinair vor allem das Malen oder Zeichnen direkt draußen vor dem Motiv; ein Pleinair kann auch ein gemeinsamer Arbeitsaufenthalt von Künstler:innen an einem bestimmten Ort sein.
Radierung
Tiefdruckverfahren, bei dem eine Zeichnung in eine beschichtete Metallplatte geritzt und anschließend mit Säure in die freigelegten Linien geätzt wird. Beim Drucken bleibt die Farbe in den Vertiefungen der Platte und wird unter hohem Druck auf Papier übertragen.
Rezeption
Die Aufnahme und Wahrnehmung von Kunst durch Publikum, Kritik, Wissenschaft, Museen, Medien oder den Kunstmarkt. Zur Rezeption gehört also, wie Werke gesehen, beschrieben, bewertet, ausgestellt und kunsthistorisch eingeordnet werden.
Risografie
Ein Schablonendruckverfahren mit einem Risographen. Jede Farbe wird in einem eigenen Druckgang aufgetragen; leichte Verschiebungen, transparente Überlagerungen und eine charakteristische körnige Farbwirkung gehören häufig zum Erscheinungsbild.
Schaffensbiografie
Die Geschichte des künstlerischen Arbeitens einer Person: Ausbildung, Werkentwicklung, Arbeitsbedingungen, Ausstellungen, Unterbrechungen, berufliche Entscheidungen und institutionelle Erfahrungen. Der Begriff richtet den Blick damit gezielt auf den künstlerischen Weg innerhalb einer Lebensgeschichte.
Sichtbarkeit
Bei UNCOVER bezeichnet Sichtbarkeit die Frage, ob und wie Künstler:innen und ihre Werke öffentlich wahrgenommen werden: etwa durch Ausstellungen, Sammlungen, Galerien, Medien, Forschung oder Publikationen. Sichtbarkeit hängt deshalb auch von institutionellen Zugängen, Netzwerken und Ressourcen ab.
Siebdruck
Schablonendruckverfahren, bei dem Farbe durch ein feinmaschiges Gewebe auf den Druckträger gedrückt wird. Bereiche, die nicht drucken sollen, werden durch eine Schablone abgedeckt; für mehrere Farben werden meist mehrere Druckgänge benötigt.
Transformationszeit / Transformationsjahre
Die Phase tiefgreifender politischer, wirtschaftlicher, institutioneller und gesellschaftlicher Veränderungen nach dem Ende der DDR und der Deutschen Einheit. Der Begriff hat keine überall identische zeitliche Grenze; für UNCOVER ist besonders wichtig, wie sich in diesen Jahren Arbeitsbedingungen, Institutionen, Eigentumsverhältnisse, Netzwerke und Lebenswege in Ostdeutschland veränderten.
Verband Bildender Künstler der DDR (VBK)
Die zentrale Berufsorganisation für bildende Künstler:innen in der DDR. Die Mitgliedschaft eröffnete Zugang zu staatlichem Kunsthandel, offiziellen Ausstellungen und öffentlichen Aufträgen und war in der Regel Voraussetzung für eine offiziell anerkannte freischaffende Tätigkeit. Der Verband bestand in dieser Form bis 1990.
Wende / Friedliche Revolution / Umbruch 1989/90
Die Begriffe bezeichnen verwandte, aber nicht völlig deckungsgleiche Aspekte der Veränderungen in der DDR 1989/90. „Friedliche Revolution“ meint vor allem die Bürgerbewegungen und gewaltlosen Massendemonstrationen, die 1989 zum Ende der SED-Herrschaft beitrugen. „Wende“ ist eine weit verbreitete, zugleich politisch umstrittene Bezeichnung für die Veränderungen in der DDR insbesondere ab dem Oktober 1989; UNCOVER verwendet häufig den offeneren Begriff „Umbruch 1989/90“ für die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen dieser Zeit.
Wiedervereinigung / Deutsche Einheit
Die staatliche Vereinigung von DDR und Bundesrepublik Deutschland nach 40 Jahren zwei deutschen Staaten, die 1949, vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden. Die Wiedervereinigung zur gemeinsamen Bundesrepublik wurde am 3. Oktober 1990 vollzogen; damit endete die staatliche Existenz der DDR und Deutschland bestand fortan als ein gemeinsamer Staat.
Zeichenzirkel
Eine regelmäßig zusammenkommende Gruppe, in der unter Anleitung gezeichnet und über Arbeiten gesprochen wird. In der DDR gehörten solche Zirkel zur verbreiteten kulturellen Bildungs- und Freizeitpraxis; für einige Künstler:innen von UNCOVER waren sie frühe Orte künstlerischer Förderung.
Zuschreibung
Eine Einordnung, die einer Person oder einem Werk von außen zugeschrieben wird, etwa als „ostdeutsch“, „weiblich“, „politisch“ oder „regional“. Zuschreibungen können Orientierung und Kontext schaffen, zugleich aber beeinflussen, welche Aspekte eines Werks besonders wahrgenommen werden.